Volkswagen: Milliardenumsätze, aber kaum noch operativer Gewinn

Die jüngsten Quartalszahlen des Volkswagen-Konzerns zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Während der Konzern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von rund 233,4 Mrd. Euro erwirtschaftete, brach das operative Ergebnis (EBIT) von 5,4 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum auf gerade einmal 71 Mio. Euro ein. Ein Rückgang von nahezu 99 %.

Maßgeblich verantwortlich sind Sondereffekte in Höhe von 8,7 Mrd. Euro, darunter eine Goodwill-Abschreibung auf Porsche von 6,4 Mrd. Euro sowie weitere Wertminderungen in China. Diese Abschreibungen sind zwar überwiegend nicht zahlungswirksam, verdeutlichen aber zugleich, dass frühere Ertragserwartungen nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Bereinigt um Sondereffekte erwirtschaftete Volkswagen ein operatives Ergebnis von 8,8 Mrd. Euro. Die entsprechende EBIT-Marge liegt jedoch bei lediglich 3,8 %. Für einen Konzern, der jährlich Milliarden in neue Technologien, Produktionskapazitäten und die Elektromobilität investieren muss, ist das eine erhebliche Herausforderung.

Besonders deutlich werden die strukturellen Probleme bei der Kernmarke Volkswagen Pkw. Deren operatives Ergebnis sank in den ersten neun Monaten von knapp 1,5 Mrd. Euro auf rund 0,8 Mrd. Euro. Die operative Marge beträgt gerade einmal 1,3 %, bereinigt um Sondereffekte 2,6 %. Gleichzeitig belasten der zunehmende Wettbewerb aus China, rückläufige Absatzzahlen, hohe Kosten und der wachsende Anteil margenschwächerer Elektrofahrzeuge die Ertragskraft.

Die Krise des Konzerns ist damit nicht allein auf bilanzielle Abschreibungen zurückzuführen. Volkswagen steht vor der Aufgabe, seine Kostenstruktur grundlegend zu verbessern und gleichzeitig erhebliche Investitionen in die eigene Zukunft zu finanzieren.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung reicht weit über Wolfsburg hinaus. Volkswagen gehört zu den größten privaten Arbeitgebern Deutschlands und ist eng mit einem weitreichenden Netzwerk aus Zulieferern, Dienstleistern und Industriestandorten verbunden.

Vor diesem Hintergrund erhält auch eine jüngste Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz besondere Aufmerksamkeit. Beim Berlin Global Dialogue erklärte er, dass seine größte Sorge derzeit nicht die deutsche Wirtschaft, sondern der Einfluss Russlands auf die deutsche Gesellschaft sei.

Die sicherheitspolitischen Herausforderungen sind zweifellos ernst zu nehmen. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen von Volkswagen, wie dringend die strukturellen Probleme des Wirtschaftsstandorts Deutschland angegangen werden müssen. Allerdings sind nicht sämtliche Schwierigkeiten des Konzerns auf die deutsche Wirtschaftspolitik zurückzuführen. Insbesondere der Wettbewerb in China und strategische Entscheidungen des Managements spielen eine wesentliche Rolle.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Deutschland wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Herausforderungen priorisieren sollte, sondern wie beide Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden können. Denn ohne eine wettbewerbsfähige Wirtschaft wird langfristig auch die Finanzierung staatlicher Aufgaben zunehmend schwieriger.

Quellen: Volkswagen Group, Berliner Zeitung

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